Ich male Porträts. Von Tieren, von Bäumen, von Schaltern und Gegenständen. Von allem, was meine Aufmerksamkeit bindet und meine Neugier weckt.
Mich interessiert der Augenblick, in dem sich das Lebendige und das Technische begegnen. Ein Vogel, der versucht, mit einem Regenwurm eine Puppe zu füttern. Quittenzweige, die sich unmerklich in Lampenkabel verwandeln. Schalter, die erst beim zweiten Blick sichtbar werden, weil sie so selbstverständlich Teil einer anderen Wirklichkeit geworden sind.
Meine Bilder entstehen dort, wo Dinge miteinander in einen Dialog treten. Sie erzählen von Begegnungen, die unmöglich erscheinen und dennoch vertraut wirken. Natur und Technik stehen sich nicht gegenüber – sie verflechten sich, sie widersprechen sich, sie berühren einander.
Wir leben in einer Zeit, die von Konsum, Geschwindigkeit und permanenter Veränderung bestimmt wird. Meine Arbeiten suchen nach einer anderen Bewegung. Sie entschleunigen. Sie laden dazu ein, länger hinzusehen.
Im Mittelpunkt steht immer ein Wesen oder ein Objekt, das mich beschäftigt. Die Hintergründe bleiben rau und offen: aufgerissene Farbschichten, abblätternde Oberflächen, sichtbares Holz. Nichts ist geschniegelt oder makellos. Das Leben ist es auch nicht.
Mich interessieren die Spuren, die Dinge und Lebewesen in sich tragen. Schichten, Brüche und Narben erzählen oft mehr als ihre glatten Oberflächen. Manche Narben sind sichtbar, andere bleiben verborgen. Sie gehören zum Leben – und vielleicht liegt gerade in ihnen seine eigentliche Schönheit.
Mein Weg
Mein künstlerischer Weg ist geprägt von einer Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen, die sich heute in meiner Arbeit miteinander verbinden.
Zu Beginn standen Illustration, Layout, Reprofotografie und Reinzeichnung in verschiedenen Agenturen. Es folgte die Gestaltung, Illustration und Produktion von CD-Booklets und Albumcovern in einem Musikverlag – eine Zeit, in der sich grafisches Arbeiten und erzählerische Bildsprache intensiv miteinander verbanden.
Mit einer Ausbildung zur Tischlerin verlagerte sich mein Fokus auf das Handwerk. Über viele Jahre arbeitete ich in der Möbelrestaurierung und realisierte gemeinsam mit Kirchenmaler:innen, Restaurator:innen, Bildhauer:innen und Künstler:innen unterschiedlichste Projekte. Im Mittelpunkt standen historische Oberflächen, dekorative Malerei sowie die Entwicklung eigener Bildmotive.
Bis heute arbeite ich parallel als Tischlerin und Restauratorin. In traditioneller Handwerkskunst entstehen individuelle Möbel und Einzelstücke, die präzise auf die Wünsche und Bedürfnisse meiner Kundinnen und Kunden zugeschnitten sind. Der unmittelbare Umgang mit Holz, Werkzeug und Oberfläche prägt meine künstlerische Arbeit ebenso wie umgekehrt die freie Malerei meinen Blick auf Form, Material und Gestaltung schärft.
Holz ist deshalb bis heute mein bevorzugter Bildträger. Alle meine Arbeiten entstehen mit Acryl auf Holz. Das Material ist für mich weit mehr als eine Malfläche – ich kann Alterungsspuren, Risse, Flicken einarbeiten und teils die Struktur des Untergrundes hervorheben. Es erzählt von Vergänglichkeit, Gebrauch und gelebter Zeit und tritt in einen Dialog mit den gemalten Motiven.
Mein Werdegang folgt keinem klassischen künstlerischen Ausbildungsweg. Gerade diese Vielschichtigkeit aus Gestaltung, Handwerk und künstlerischer Praxis prägt meinen Blick auf Material, Oberfläche und Bild. Ich begreife sie nicht als Umwege, sondern als Fundament meiner heutigen Arbeit – denn Erinnerung zeigt sich nicht nur in den dargestellten Motiven, sondern auch in den Spuren, die das Material selbst in sich trägt.
